Nein heißt nein – Auch bei Kindern!

Viele Eltern erwarten, dass ihre Kinder auf ihr „Nein!“ hören. Doch wenn ihre Kinder „Nein!“ sagen, werden sie übergangen. Reagieren die Kinder dann (verständlicherweise) traurig oder wütend, werden sie als störrisch, trotzig oder unartig bezeichnet. Das macht mich so traurig und wütend…

 

 

 

Wenn Kinder nein sagen… Eine Geschichte

Freitagnachmittag. Wir sind im Schwimmbad beim wöchentlichen Schwimmkurs der kleinen Zaubertochter. Eine Matte liegt auf dem Wasser, alle Eltern stehen mit ihren Kindern auf dem Arm um diese herum. Nacheinander nimmt die Schwimmlehrerin ein Kind und setzt es auf den Beckenrand. Von dort springen die Kinder ins Wasser, halten sich an der Matte fest, ziehen sich hoch und krabbeln oder laufen darüber in die Arme ihrer Eltern, die auf der anderen Seite der Matte warten. Den meisten Kindern macht dies große Freude. Aber nicht dem zweijährigen N. Woche für Woche geschieht folgendes:

Die Schwimmlehrerin sagt: „Und jetzt bist du dran, N“, N sagt: „Nein!“, seine Mama sagt: „Ach, komm schon, N, jetzt bist du dran!“, N klammert sich an seine Mama, dreht den Kopf weg, sagt: „Nein!“, seine Mama sagt: „Doch!“, hebt ihn hoch und übergibt ihn in die Arme der Schwimmlehrerin, N schreit: „Nein, nein, nein!“, streckt die Arme nach seiner Mama aus und weint, seine Mama sagt: „Warum weinst du denn jetzt? Das macht doch Spaß! Stell dich doch nicht so an! Jetzt bock doch nicht wieder, du kleiner Trotzkopf!“, N weint immer lauter, dennoch setzt die Schwimmlehrerin ihn auf den Rand, hebt ihn ins Wasser und auf die Matte, N bleibt laut weinend dort sitzen, bewegt sich nicht, die Mama ruft von der anderen Seite der Matte: „Komm schon! Hör auf zu motzen! Heute hast du aber wieder ein kleines Böckchen!“. Letztendlich wird N oft von der Schwimmlehrerin wieder herunter gehoben und zu seiner Mama gebracht oder er ergibt sich und krabbelt weinend hinüber zu seiner Mama, an die er sich schluchzend klammert und die ihn mit den Worten: „Siehst du, war doch gar nicht schlimm!“ empfängt…

Ich kann das Woche für Woche kaum aushalten. Ich bekomme Bauchschmerzen, mein Herz krampft, ich könnte weinen. Mir tut dieser kleine Junge so leid. Ich bin so traurig und wütend darüber, dass seine Bedürfnisse kein bisschen beachtet werden. Seine Mama ignoriert sein nein, ignoriert sein weinen, ignoriert sein klares Bekunden, dass er dies jetzt nicht tun möchte, beschimpft ihn dann noch als Trotzkopf oder Böckchen und stellt seine Gefühle als falsch dar.

 

 

 

Was tun?

Am liebsten hätte ich laut herausgeschrien. Siehst du nicht, was du deinem Kind antust? Er hat doch klar und deutlich gesagt, dass er nicht möchte. Wieso zwingst du ihn? Wieso hörst du ihm nicht zu? Wieso übergehst du ihn, wirst übergriffig, spielst seine Gefühle runter, beschimpfst ihn? Wieso, wieso, wieso? Doch das tat ich nicht. Wie hättest du reagiert?

Anfangs schaute ich mir dies stumm an, schrie nur in meinem Inneren. Ich versuchte, den kleinen N anzulächeln, ihm eine freundliche Umgebung zu vermitteln. Später spiegelte ich sein Verhalten, wollte ihm zeigen, dass sein Verhalten wahr und ernst genommen wird und sagte: „Du möchtest nicht.“ oder „Du hast nein gesagt. Du willst das nicht.“ oder „Du weinst/bist wütend/traurig, weil du das nicht möchtest.“

Wenn seine Mutter mich ansah und Dinge sagte wie: „N ist heute wieder so bockig.“ (und Zustimmung meinerseits erwartete), dann antwortete ich: „N möchte das nicht. Er hat nein gesagt. Deswegen ist er jetzt wütend/traurig.“

 

 

 

Hoffnung

Ich hatte die Hoffnung, dass N sich durch meine Worte etwas besser fühlte. Noch mehr hoffte ich, dass seine Mutter begann zu verstehen. Lange hatte ich den Eindruck, dass dies alles nichts brachte. Doch letzte Woche geschah etwas Wunderbares: Nachdem N wieder weinend über die Matte gekrabbelt war und ich gesagt hatte: „Du möchtest das nicht. Du hast Angst.“, da sprach die Schwimmlehrerin auf einmal: „Vielleicht hat N Angst. Ich möchte das nicht mehr mit ihm machen. Er soll nur noch zuschauen und erst wieder mitmachen, wenn er selbst möchte.“ Oooooh, das machte mich so glücklich. Nein heißt nein! Auch bei Kindern! Und es gibt Hoffnung!

 

 

 

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Kategorien: Erleben, Familienleben

2 Kommentare

  • Katrin

    …na endlich hat auch die Schwimmlehrerin reagiert!!! Vielleicht wäre jetzt ein sachliches, ruhiges Gespräch auch mit der Mutter möglich…. Schwierig solche Situationen! Ich bin da immer sehr emotional und halte das überhaupt nicht aus, wenn so umgegangen wird mit Kindern…
    aber die Art und Weise, wie man mit jemandem dann drüber spricht, sodass er es auch VERSTEHT ist eine schwierige Angelegenheit !….

    Aber hier ist ja nun ein Hoffnungsfunke entfacht!:)
    Alles Liebe
    Katrin

    • Mama Magie

      Liebe Katrin,

      ja, solche Situationen sind schwierig. Am liebsten würde ich auch immer eingreifen und ansprechen. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich die Menschen dadurch eher angegriffen fühlen und nicht verstehen können. Denn die Einsicht muss von innen heraus, von einem selbst kommen. Vorleben und auf Nachfrage erklären sind für mich der bessere Weg. In diesem Fall hat es funktioniert. 🙂

      Alles Liebe,
      Mama Magie

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