Kein Kind muss schlafen lernen!

Meine liebe Freundin, meine Herzensfreundin, ist Tante geworden. Ihr Bruder bekam vor acht Monaten ein Baby. Meine Freundin liebt ihren Bruder und sie liebt ihren kleinen Neffen sehr. Dennoch ist sie zur Zeit unglücklich. Denn sie kann kaum aushalten, wie ihr Bruder und seine Frau mit dem Schlaf ihres Babys umgehen. Er schläft nämlich nicht. Jedenfalls nicht so wie er soll…

 

 

 

Unser Kind schläft nicht!

Diesen Satz hat ihr Bruder zu meiner Freundin gesagt. Ihr Kind würde nicht schlafen. Nicht schlafen bedeutet in diesem Fall: Nicht alleine einschlafen, nicht durchschlafen, nachts weinen und munter sein, auf den Arm genommen werden wollen,  nicht so schlafen, wie ihr Bruder und seine Frau es sich vorstellen und wünschen.

 

 

 

Vorstellungen, Wünsche und Druck

Wenn man noch kein Baby hat und auch keine Vorbilder in der Familie oder im Freundeskreis hat man möglicherweise gewisse, romantische Vorstellungen wie ein Baby sich verhält und schläft. Geprägt von Filmen, Medien oder Werbung denkt man, dass ein Baby ein eigenes Kinderzimmer benötigt und richtet dies voller Vorfreude auch mit einem niedlichen Babybettchen ein. Vielleicht stellt man sich vor, wie man sein Baby liebevoll bettfertig macht, ihm dabei ein leises Schlaflied singt, es dann sanft in sein Babybett legt, ihm Gute Nacht sagt, noch ein Küsschen gibt, aus dem Zimmer geht und das Baby friedlich einschläft.

Vielleicht hat man aber sogar Freunde, wie auch der Bruder meiner Freundin, bei deren Baby das (angeblich?) genau so klappt. Das baut Druck auf.

Druck machen vielleicht auch die lieb gemeinten Ratschläge der Großeltern, der Kinderarzt, Babyzeitschriften oder gewisse Bücher, die einem vermitteln, dass das Baby alleine einschlafen können muss, ab einem gewissen Alter durchschlafen soll und man nur richtig mit seinem Baby umzugehen lernen muss, damit dies auch klappt.

Vielleicht hat man (verständlicherweise) auch selbst den Wunsch, dass sein Baby durchschläft, weil man übermüdet ist und endlich einmal Schlaf nachholen möchte. Im Fall des Bruders meiner Freundin kommt noch hinzu, dass seine Frau bald wieder zu arbeiten beginnen möchte und Bedenken hat, ob sie das schafft, wenn sie nicht gut schlafen kann.

All das führt dazu, dass man nicht auf sein Herz hört, sondern die Wünsche und Vorstellungen sowie der Druck alles überlagern.

 

 

 

Unser Baby muss schlafen lernen

Der Bruder meiner Freundin und seine Frau sind jetzt an diesem Punkt angelangt. Zu Beginn, in den ersten Lebensmonaten, haben sie ihr Baby noch ganz selbstverständlich, ganz natürlich, ganz ihrem Herzen folgend nach Bedarf gestillt, in den Schlaf gestillt, nachts gestillt, es durfte in ihren Armen einschlafen und sie nahmen es sofort auf den Arm, wenn es weinte. Nun denken sie geprägt von Freunden und dem Kinderarzt, mit Druck im Hintergrund, sie würden alles falsch machen und müssten nur lernen alles richtig zu machen, damit ihr Baby endlich „richtig“ schläft. Sie denken, ihr Baby wäre nicht „normal“. Es müsse endlich schlafen lernen!

 

 

 

Kein Kind muss schlafen lernen!

Als meine Freundin mir dies alles erzählte, wurde ich immer trauriger, nachdenklicher und auch wütender! Kein Kind muss schlafen lernen! Jedes Kind braucht, jedes Baby braucht, wie auch jeder Erwachsene, wie jedes Lebewesen, Erholungsphasen, Ruhepausen und Schlaf. Das ist ganz natürlich, das ist so im Körper veranlagt. Das muss niemand lernen.

Wenn ein Baby müde ist, dann will es schlafen. Man darf nur nicht annehmen, dass der Babyschlaf so funktioniert wie bei einem Erwachsenen: Man ist müde, kuschelt sich ins Bett und schläft ein. Wenn man zwischendurch aufwacht, gähnt oder streckt man sich vielleicht oder dreht sich um und schläft weiter.

Ein Baby ist hilflos und noch voll und ganz auf seine erwachsenen Bezugspersonen angewiesen. Es weiß noch nicht, dass ihm keine Gefahr droht, wenn es alleine, ohne eben diese Personen, im Bett liegt. Es kann aus diesem Grund noch nicht alleine einschlafen. Es weint, weil es Nähe, Geborgenheit, Sicherheit und Begleitung sucht und braucht. Die Entwicklung des Schlafes ist ein Reifungsprozess, den wir nur liebevoll begleiten, aber kaum beeinflussen können.

Dieser Reifungsprozess läuft von ganz alleine in der Entwicklung eines Babys ab. Er kann nicht durch das „richtig schlafen lernen“ beschleunigt werden. Mit „richtig schlafen lernen“ ist meist das Durchführen eines Schlafprogramms gemeint. Und dies wurde auch dem Burder meiner Freundin vom Kinderarzt geraten (heutzutage noch! Ich finde das unglaublich!): Ihr Baby müsse endlich lernen ohne „Privilegien“ (ja, so sagte er es! Gemeint war damit das Eingehen auf seine natürlichen Bedürfnisse, es in den Arm nehmen, stillen, es in den Schlaf begleiten) zu schlafen. Sie sollten es ab sofort konsequent alleine in sein Bett legen und weinen lassen, damit es endlich richtig schlafen lernt. So traurig! Denn auf diese Weise lernt ein Baby nur, dass sein natürliches Bedürfnis nach Nähe und Sicherheit nicht erfüllt wird. Dass seine wichtigsten Bezugspersonen nicht verlässlich für es da sind, obwohl es weint und diese ruft. Es wird irgendwann aufgeben und vor Stress und Erschöpfung einschlafen. Wer möchte das für sein Baby? 😢

 

 

 

Dein Baby ist „normal“

Mir ist ganz wichtig: Dein Baby ist völlig normal, wenn es nicht alleine einschlafen kann. Wenn es deine Nähe und Begleitung beim Einschlafen und Wiedereinschlafen in der Nacht braucht. Du machst alles richtig, wenn du prompt auf sein Weinen reagierst, es auf den Arm nimmst, ihm die benötigte Nähe und Sicherheit gibst, es in den Schlaf begleitest. Du zeigst ihm, dass es sich auf dich verlassen kann, dass es sicher geborgen ist, dass es keine Angst haben muss.

All dies erzählte ich meiner Freundin und sie möchte versuchen, es an ihren Bruder weiterzugeben. ❤️

 

 

 

Empfehlungen zum Babyschlaf

Außerdem emphahl ich ihr noch diesen wichtigen Beitrag von Susanne: Wenn Babys schreien gelassen werden – was passiert in Babys Körper?

 

Sowie die folgenden Bücher:

Herbert Renz-Polster und Nora Imlau: Schlaf gut, Baby! Der sanfte Weg zu ruhigeren Nächten.

William Sears: Schlafen und Wachen – Ein Elternbuch für Kindernächte.

 

 

 

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Kategorien: Das erste Jahr, Erleben, Familienleben, Stillen & schlafen

2 Kommentare

  • Glücksoma

    Du schreibst wieder mal sehr schön, liebe Famielienmagiemama!
    Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass die Eltern erkennen, sich und dem Kind Zeit zu lassen und entspannt mit der Situation umgehen. Vielleicht hat die Mutter (in Unterbewußtsein!) schon im Hinterkopf, wenn es jetzt nicht bald klappt, mit dem Ein/Durchschlafen kann ich in 2 Monaten das arbeiten anfangen vergessen…
    Das ist ein unnötiger Druck und der überträgt sich auf das Kind und erschwert die Situation vielleicht noch. Also lieber alles mit Ruhe angehen lassen und den Arbeitsbeginn evtl. noch etwas hintenanstellen. Die Zeit zuhause mit dem Baby kommt nie mehr zurück, sie vergeht so schnell und im Berufsleben gibt es später auch noch Herausforderungen.
    Ich höre oft Mütter sagen: Ich hätte die Zeit zu Hause viel mehr schätzen sollen… Wenn die Kinder größer und selbstständiger sind ist es zu spät, dann gehen sie ihren eigenen Weg. Wenn sie klein sind kann/soll man die Zeit mit ihnen genießen, finde ich.

    • Mama Magie

      Liebe Glücksoma (sooo ein schöner Name!),

      vielen Dank für deinen Kommentar. Du hast mit allem so recht. Wir sind froh, dass wir das für uns erkannt und die richtige Entscheidung getroffen haben. 💕💕

      Alles Liebe,
      Mama Magie

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