Gib dich nicht auf, Mama! Das bedeutet Bedürfnisorientierung für mich

Bedürfnisorientierung bedeutet für mich, dass es allen in der Familie gut geht. Kindern und Eltern. Dass die Bedürfnisse aller wahrgenommen und geachtet werden und dass das Familienleben dementsprechend gestaltet wird.

 

 

 

Bedürfnisorientierung bedeutet nicht…

… dass die Mama sich komplett zurücknimmt, alle ihre Bedürfnisse zurückstellt und sich ganz dem Kind hingibt oder dass dem Kind alle Wünsche erfüllt werden. Natürlich braucht ein neugeborener Säugling unsere ganze Aufmerksamkeit, Nähe und Liebe. Natürlich gibt es Phasen, in denen man sich als Mama mehr zurücknehmen muss, damit es dem Kind möglichst gut geht. Aber darauf sollten immer wieder Phasen folgen, in denen auch die Mama auf ihre Bedürfnisse hört, sich Ruhe und Erholung gönnt, Kraft und Energie schöpft. Insgesamt sollte das Familienleben so ausgestaltet sein, dass die Bedürfnisse aller immer gleichermaßen so gut wie möglich erfüllt werden.

 

 

 

Bedeutet Bedürfnisorientierung tragen, stillen, Familienbett?

Das Baby ausschließlich tragen, keinen Kinderwagen verwenden, (lange) stillen und mit dem Kind gemeinsam im Familienbett schlafen – das alles wird mit Bedürfnisorientierung in Verbindung gebracht. Und ja, so war es auch bei uns und so ist es bei vielen anderen, bedürfnisorientiert lebenden Familien. Aber so war es bei uns nur, weil wir uns alle damit wohl gefühlt haben. Weil es für uns alle in diesen Momenten richtig, gut und wundervoll war.

Ich liebte es, mein Baby immer ganz nah an mich gekuschelt im Tragetuch zu tragen und mein Baby fühlte sich so am wohlsten. Das Stillen genoss ich als ruhiges, intensives Verbundensein mit meinem Kind. Gemeinsam im Familienbett konnten wir alle am tiefsten, ruhigsten, längsten und besten schlafen.

Doch meine Schwägerin hat Rückenprobleme, möchte und kann ihr Baby nicht tragen – deshalb achtet sie auf ihre Bedürfnisse und verwendet den Kinderwagen. Doch unser viertes Kind schlief im Tragetuch immer nur kurze, halbstündige Phasen und in der Federwiege ruhig und zufrieden drei Stunden – deshalb achtete ich seine Bedürfnisse und trug es weniger als die großen Geschwister, auch wenn ich manchmal traurig darüber war. Doch meine Freundin hatte immer wieder schlimme Brustentzündungen und gab nach sechs Monaten das Stillen auf – sie achtete auf ihre Bedürfnisse, ihre Gesundheit, ihr Wohlbefinden. Doch eine andere Freundin kann nicht schlafen, wenn ihre Kinder in ihrem Bett liegen, sie braucht jedoch ihren Schlaf, um am nächsten Tag fit und munter für ihre Kinder da zu sein  – deshalb schlafen ihre Kinder gemeinsam im Geschwisterbett im Nebenzimmer.

Bedürfnisorientierung funktioniert nicht nach starren Vorgaben, ist nicht bei jeder Familie gleich, ändert sich, ist flexibel, gestaltet sich nach den Bedürfnissen aller.

 

 

 

Eine bedürfnisorientiert lebende Mama kann abends nicht mehr ausgehen!

Diesen „Vorwurf“ habe ich gehört. Und ehrlicherweise war es auch bei mir so, dass ich im ersten Lebensjahr meiner Kinder abends nicht ausgegangen bin. Meine Kinder brauchten mich, ich stillte sie in den Schlaf bzw. stillte sie, wenn sie nachts aufwachten. Aber auch ich brauchte meine Kinder, ich wollte bei ihnen sein, fühlte mich unwohl, sie zu verlassen. Unsere Bedürfnisse wurden gleichermaßen gestillt. Ich musste also nicht zurückstecken, obwohl ich es anfangs auch für meine Babys getan hätte. Es gibt Phasen, in denen die Bedürfnisse eines Familienmitglieds stärker sein können und dringender erfüllt werden müssen. Ich finde es nicht schlimm, wenn sich einer in der Familie mal für einen gewissen Zeitraum mehr zurücknimmt für einen anderen. Auf Dauer sollte dieses Ungleichgewicht natürlich nicht bestehen.

So bald meine Babys mich nicht mehr unbedingt zum Schlafen brauchten, ich sie nicht mehr in den Schlaf stillen musste, sondern sie auch anders gut in den Schlaf finden konnten, konnte ich auch abends wieder ausgehen. Wenn ich wusste, dass es den Kindern gut geht, konnte auch ich loslassen und wieder mehr auf meine Bedürfnisse achten. Auch, wenn die Kinder vielleicht lieber von mir ins Bett gebracht werden wollten, so wusste ich doch, dass sie auch bei meinem Mann wunderbar aufgehoben sind.

Doch meine Freundin brauchte schon wenige Monate nach der Geburt einen freien Abend in der Woche, an dem sie ausgehen, sich mit Freunden treffen oder ins Kino gehen konnte. Es war ihr ein dringendes Bedürfnis, diese Zeit für sich zu haben. Deshalb pumpte sie ab und es spielte sich so ein, dass auch ihr Mann ihr Baby gut ins Bett bringen konnte.

Bedürfnisorientierung wird nicht in allen Familien gleich gelebt. Jede Familie, jedes Familienmitglied hat andere, mal stärkere, mal schwächere Bedürfnisse, auf die individuell geschaut werden muss.

 

 

 

 

Von Helikopter-Eltern und Loslassen können

Bedürfnisorientiert lebende Eltern werden manchmal fälschlicherweise mit Helikopter-Eltern gleichgesetzt. Also Eltern, die ständig um ihr Kind herum kreisen, es umsorgen, behüten und ihm alle Wünsche erfüllen. Für mich bedeutet bedürfnisorientiert leben eher das Gegenteil: Nicht ständig um das Kind herum kreisen, es frei entdecken, spielen, lernen lassen, es seine eigenen Erfahrungen in seinem eigenen Tempo machen lassen, seine Bedürfnisse (und nicht seine Wünsche!) wahrzunehmen und so gut wie möglich im Einklang mit den eigenen Bedürfnissen erfüllen. Bedürfnisorientiert leben bedeutet gerade, dass die Kinder auch erkennen, dass nicht alle ihre Wünsche und manchmal auch nicht sofort alle ihre Bedürfnisse erfüllt werden können, da auch andere Familienmitglieder Bedürfnisse haben, die wichtig und achtenswert sind.

Bedürfnisorientiert lebenden Eltern wird auch oft nachgesagt, dass sie nicht loslassen können. Doch nur, weil ich mehr (als anders lebende Eltern) auf die Bedürfnisse meiner Kinder eingehe, ihre Grenzen wahrnehme und achte, sie gefühlvoll begleite und ernst nehme, bedeutet das nicht, dass ich sie nicht loslassen kann. Nur, weil ich beispielsweise meine zweite Tochter wieder vom Kindergarten abgemeldet habe, sie nie weinende dort gelassen habe, weil ich merkte, dass sie sich dort nicht wohl fühlte, bedeutet das nicht, dass ich lernen muss loszulassen (wie mir vorgeworfen wurde). Nur, weil ich merke, dass der Kindergarten hier vor Ort nicht gut für meine Kinder ist und sie deshalb zu Hause lasse, bedeutet das nicht, dass ich an ihnen klammere. Wenn ich merke, dass es meinen Kindern gut geht, dass sie etwas unbedingt wollen, dass sie soweit sind, dann lasse ich sie gerne und glücklich los. So geht unsere große Tochter bereits seit ihrem zweiten Schultag den Hin- und Rückweg von etwa 25 Minuten alleine, weil sie es unbedingt so wollte und ich wusste, dass sie soweit ist. Ich lasse sie sich ausprobieren, fallen und bin immer als sicherer Hafen für sie da, um sie wieder aufzufangen.

 

 

 

Was bedeutet Bedürfnisorientierung für dich?

 

 

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Kategorien: Das erste Jahr, Erleben, Familienleben

2 Kommentare

  • Lovisa

    Wundervoll geschrieben, besonders die Untrescheidung von Helikopter zu bedürfnisorientiert ist mir bedeutend! Danke PS: im Reader kann man deine Beiträge nicht kommentieren und „liken“, sondern nur teilen .. LG Lovisa aus Schweden 😉

    • Mama Magie

      Liebe Lovisa,

      danke für dein positives Feedback. Das freut mich sehr.

      Alles Liebe,
      Mama Magie :-*

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