Alleine zu Hause geboren – Heute vor einem Jahr

Heute vor einem Jahr wurde unsere kleinste Zaubertochter geboren. Als Geburt im Geburtshaus geplant. Als Hausgeburt und Alleingeburt erlebt. Unvergesslich und wunderschön.

 

Unser Weg zur Geburt am 6. Juli um 5:40 Uhr  – Der Anfang

Es ist Dienstag, der 5. Juli 2016, gegen 17 Uhr. Die kleine Zaubertochter wird zwei Jahre alt und wir feiern mit der Familie im Garten. Ich spüre ein leichtes Ziehen im Unterbauch, kurz und noch nicht schmerzhaft, aber deutlich spürbar. Dieses wiederholt sich von nun an, mal nach 20, mal erst nach 30 Minuten. Die Großmütter sind aufgeregt, ich horche in mich hinein: Möchtest du zu uns kommen, kleinste Zaubertochter?

Als die Gäste gegangen und die Kinder eingeschlafen sind, beschließen auch mein Mann und ich uns hinzulegen. Ich möchte beobachten, ob die Wehen wieder gehen, wenn ich mich nun nach diesem trubeligen Tag ausruhe. Sie kommen unverändert, ein leichtes Ziehen im Unterbauch alle 30 Minuten. Mein Mann schläft an meinen Rücken gekuschelt ein, ich bin müde, kann aber nicht schlafen.

Irgendwann wacht unsere kleine Zaubertochter im Nachbarzimmer auf, ruft „Papi“ und er holt sie in unser Bett. Die mittlere und große Tochter schlafen weiterhin ungestört gemeinsam in ihrem Geschwisterbett in ihrem Schlafzimmer.

 

Die Nacht

Gegen 3 Uhr nachts wird der Abstand zwischen den Wehen geringer. Etwa alle 10 Minuten spüre ich nun mal leichtes, mal stärkeres Ziehen im Unterbauch. Teilweise muss ich dies schon veratmen und tönen. Mein Mann fragt irgendwann zum ersten Mal, ob die Geburt nun tatsächlich richtig beginnt, er meine Eltern zur Betreuung der Kinder und die Hebamme anrufen soll, um unsere baldige Ankunft im Geburtshaus anzukündigen. Ich verneine.

Mehrmals muss ich zur Toilette, erwarte den sich abgelösten Schleimpfropf. Bei den drei vorangegangenen Geburten waren wir stets nach dessen Ablösung ins Geburtshaus gefahren und hatten dort noch ausreichend Zeit bis zur Geburt. Er kommt nicht. Da ich sehr müde bin, mich im Stehen schwindelig und kraftlos fühle und überhaupt keine Lust habe mein kuscheliges Bett zu verlassen, bleibe ich weiterhin liegen.

 

Der Morgen

Ab etwa 5 Uhr beträgt der Abstand zwischen den Wehen nur noch 5-7 Minuten. Die Wehen werden deutlich intensiver, ich töne laut, halte mich am Bettrahmen fest. Mein Mann vertraut mir, möchte nichts ohne meine Ansage unternehmen. Als mein Tönen um kurz vor halb 6 jedoch immer lauter wird, sagt er: „Wir können nicht mehr länger warten. Ich rufe jetzt deine Eltern an.“

Gleichzeitig muss ich aus dem Bett springen, die Schmerzen sind plötzlich unglaublich stark, ich stehe an der Bettseite und bin laut! 😊 Der Schleimpfropf löst sich! Die kleine Zaubertochter wacht auf, schaut mich mit großen Augen an, ich lächele sie an, sie lächelt zurück.

Mein Mann rennt hinunter, um zu telefonieren und meine Eltern machen sich auf den Weg zu uns. Das Telefon speichert 5:32 Uhr für diesen Anruf ab. Ich verspüre noch zwei weitere sehr heftige Wehen und bin laut, sehr laut! 😉 Mein Mann hört meine Schreie unten, während er hastig versucht, die Hebammentelefonliste aus meinem Portemonnaie zu holen und die diensthabende Hebamme anzurufen. Er wählt ihre Nummer um 5:38 Uhr, spricht kurz mit ihr.

 

Die Geburt

Nach den drei sehr intensiven Wehen neben meinem Bett spüre ich plötzlich einen starken Druck nach unten. Ich laufe über den Flur ins Bad, hocke mich über die Toilette. Eine Presswehe, die Fruchtblase platzt, ich halte ihr Köpfchen in meiner Hand! Es ist so klein, so weich, dieser Moment so unfassbar, so wundervoll, einfach unvergesslich.

Mit dem Köpfchen in der Hand, rufe ich meinen Mann. Er sagt später, ich hätte seinen Namen geschrien und „Komm! Jetzt! Das Baby ist da!“ Er rennt nach oben, noch mit dem Telefon in der Hand und der Hebamme am Apparat, legt auf. Er greift nach meiner Hand und ihrem Köpfchen und hält sie wenige Sekunden später vollständig in den Händen. So viel Liebe und Glück.

Vorsichtig gehen wir über den Flur zurück ins Schlafzimmer. Die Tropfen, die wir dabei auf den Holzdielen verlieren, werden uns für immer an diesen zauberhaften Tag erinnern. Ich lege mich in unser Bett. Mein Wecker zeigt 5:41 Uhr an. Unsere Tochter muss um 5:40 Uhr auf die Welt gekommen sein. Mein Mann legt unsere kleinste Zaubertochter auf meinen Bauch, kuschelt sie und mich in Handtücher und Bettdecken und legt sich dann selbst neben uns. Wir sind überwältigt. Neben dem Bett steht die kleine Zaubertochter und sagt: „Baby, Baby, Baby.“ Wir lächeln uns an.

 

 

 

Kategorien: Das erste Jahr, Erleben, Familienleben, Schwangerschaft & Geburt

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